Walking Memory – Deutsch

Asthildur Jonsdottir & Lisa Lee Benjamin

Frauen in der Landschaft: Eine besondere Beziehung?

Aus den Interviews wird klar, dass die Frauen von Vals besondere Beziehung zur Kulturlandschaft haben: Sie sprechen frei über die Scheunen, als ob sie ein Teil von ihnen wären, auch wenn sie keine Bauern waren oder sind. Sie alle haben Erinnerungen, eine Vorliebe und ein vertieftes persönliches Wissen über das Alter von Scheunen, Baustile, Reparaturen und Vorschriften. Durch ihre Stimmen erfahren wir etwas über ihre Verbindungen und ihre Anliegen in Bezug auf die Erhaltung der Umwelt, die wirtschaftliche Entwicklung und die Forderung nach einem integrierten Ansatz zwischen Erhaltung und Wandel. Man hat das Gefühl, dass sie die Veränderungen, die stattgefunden haben, sowie die aktuellen Herausforderungen sehr genau wahrnehmen und neugierig sind, was die Zukunft bringt. Ihre Nähe zur Landschaft ist äußerst lebendig in der Beschreibung der Pflanzen, der Nähe zu den Tieren und dem Bewusstsein ihres Umgangs mit der Umwelt, was eine spirituelle Affinität und persönliche Transformation offenbart, einfach dadurch, dass sie in, von und ein Teil der Natur sind. Das Leben wird nicht als hierarchische Struktur, sondern als Flickenteppich oder Netz gesehen. Durch ihre Stimmen wird das Grün rund um die Ställe lebendig, wie es Futter für die Tiere und Heilmittel für die Menschen ist. Der weibliche Sinn des Wahrnehmens und Sammelns zeigt sich in ihrem innewohnenden Wissen darüber, was hier im Valsertal ist. Der Wunsch nach mehr Harmonie und die Wertschätzung für die Dezentralisierung der Vergangenheit sind ebenso vorhanden wie die Bereitschaft, das Vorhandene anzunehmen, zu schützen und zu verbessern.

Die Installation erfolgt sowohl im Brügge Stall als auch in der Amöbe – dem Kunstraum auf der anderen Strassenseite.

Die Installation im Brügge Stall
Recyclierter Polyester & Baumwolle, Acryl, Holzkohle, Klanginstallation

Die Klanginstallation besteht aus einem Bildteppich von 12 Frauenstimmen, die über ihre Verbindung zu den Ställen und den sie umgebenden Lebensräumen sprechen. Die Interviews wurden größtenteils beim Wandern aufgenommen und konzentrieren sich auf ihr lokales Wissen, ihre Erinnerungen und ihre Erfahrungen.  Da die Gespräche gleichzeitig von links und rechts abgespielt werden, wird der Besucher in ein Meer von Erinnerungen und Perspektiven geworfen. Die Textilien im Raum sind von Hand auf recycelten, transparenten Stoff gezeichnet und stellen die in den Interviews erwähnte, vorherrschende Flora dar. Sie schweben im Raum, wie ferne Sommererinnerungen.

Pflanzeliste im Stall:
Alpendoktor Rumex alpinus, Brennessel Urtica urens, Wundklee Anthyllis vulneraria, Vergismeinnicht Myosotis alpestris, Löwenzahn / Schwineblueme Taraxucum officinale, Frühlingskrokus Crocus vernus, Scharfgarbe Achillea millefolium, Knäuelgrass Dactylis glomerta.

Ausstellung in der Amöbe Dez 2021 – Feb 2021

Zugrunde Liegende Flora
Schnee, Wasserfarbe

Die Teilnehmer malten einen Schneeball mit Aquarellfarben auf der Grundlage ihrer Erinnerungen der Landschaft. Der Schneeball wurde dann auf ein Stück 300 Gramm Aquarellpapier auf der Fensterbank der Amöbe gelegt, um im Laufe unserer Arbeitswoche zu trocknen. Als der Schnee schmolz, bewegten sich die farbigen Erinnerungen, gesiebt und verwirbelt in verschiedene Formen. Das Ergebnis waren 12 einzigartige Formen, welche die persönlichen Erinnerungen jeder Teilnehmerin an die schneebedeckte Flora repräsentieren.

hre mich zu einem Stall
Recycicliert Baumwolle und schwarzer Faden 

Als Teil der partizipativen Übungen zeichnete jeder Teilnehmer aus dem Gedächtnis eine Karte seines Lieblingsstalles. Die Karte wurde dann mit schwarzem Baumwollgarn auf 12 recyclierte, weiße Baumwollservietten gestickt. Die Servietten warten auf die nächste Aktion eines Sommerpicknicks in jedem der Ställe. Die meisten Teilnehmerinnen sagten, sie könnten keine spezielle Scheune nennen, da sie alle so wichtig seinen für Vals. Eine Frau drückte es sehr elegant aus, indem sie sagte: “Die Ställe sind für mich wie ein Gesicht – also wäre Vals ohne Ställe wie ein Gesicht ohne Ausdruck”.

Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen KünstlerIn und Öffentlichkeit, da eine neue Perspektive oder Sensibilität entstehen kann, die es in dieser Form vorher nicht gab.

Teilnahmerinnen:
Pia Berni, Margarit Walker, Valeria Vieli, Ursi Schmid- Rieder, Manuela Peng, Nanna Jensen, Riona Illien, Amy Illien Jensen, Alexa Schmid, Heidi Reuf, Ines Mittner, Silvia Vieli

Unterstützung
Forum Vals, Vals lebt —Stallgeschichten. Kulturfenster Vals. Spezieller Dank an Andy Oesch, Laura Berni Meyer, Jörg Rüedi, Paul and Susan Gartmann.